CBD und Migräne: was sagt die Forschung?
CBD (Cannabidiol) erhält zunehmend Aufmerksamkeit von Menschen, die nach natürlichen Wegen suchen, ihre Gesundheit und ihr Wohlbefinden zu unterstützen. Ein Thema, zu dem immer mehr geforscht wird, ist der Zusammenhang zwischen CBD und Migräne.
Forscher haben untersucht, ob CBD und andere Cannabinoide Einfluss auf Migränebeschwerden haben können, etwa auf die Häufigkeit von Anfällen, die Schmerzintensität und Begleitsymptome wie Übelkeit. Die Forschung befindet sich jedoch noch in einem relativ frühen Stadium, und die stärksten Belege betreffen Kombinationen von CBD mit THC, nicht CBD allein.
Also: kann CBD bei Migräne helfen? Und was sagt die aktuelle wissenschaftliche Forschung dazu?
In diesem Artikel schauen wir uns Migräne, das Endocannabinoid-System und die aktuelle Forschung zu CBD und Migräne an.
Was ist Migräne?
Migräne ist eine neurologische Erkrankung, nicht einfach nur starke Kopfschmerzen.
Die Erkrankung geht meist mit pochenden Schmerzen einher, oft auf einer Kopfseite, begleitet von Übelkeit und einer erhöhten Empfindlichkeit gegenüber Licht und Geräuschen. Manche Menschen erleben zusätzlich eine Aura: visuelle oder sensorische Erscheinungen, die dem Anfall vorausgehen.
Häufige Merkmale sind:
- Pochender oder klopfender Schmerz, oft einseitig
- Übelkeit, teils mit Erbrechen
- Überempfindlichkeit gegenüber Licht und Geräuschen
- Eine Aura bei einem Teil der Betroffenen
- Anfälle, die Stunden bis Tage andauern können
Bei chronischer Migräne kann dies zu 15 oder mehr Kopfschmerztagen im Monat führen. Neben den Anfällen selbst kann Migräne auch erheblichen Einfluss auf Arbeit, soziale Aktivitäten und das allgemeine Wohlbefinden haben.
Die Standardbehandlung besteht meist aus zwei Kategorien: akute Medikamente während eines Anfalls (wie Triptane oder NSAR) und vorbeugende Medikamente, die täglich eingenommen werden, um die Häufigkeit zu senken. Beide wirken bei vielen Menschen, aber nicht bei allen, was zu einem wachsenden Interesse an ergänzenden Möglichkeiten beiträgt, darunter Cannabinoide wie CBD.
Was ist CBD?
Cannabidiol (CBD) ist eines der Cannabinoide, die von Natur aus in Hanf (Cannabis sativa) vorkommen.
Im Gegensatz zu THC (Tetrahydrocannabinol) verursacht CBD nicht das berauschende "High", das gewöhnlich mit Cannabis assoziiert wird.
CBD interagiert mit verschiedenen biologischen Systemen im Körper, darunter das Endocannabinoid-System (ECS). Das ECS ist an der Regulierung verschiedener Prozesse beteiligt, darunter Schmerzverarbeitung, Stimmung, Schlaf und Stressreaktion. Aufgrund dieser Funktionen untersuchen Wissenschaftler, ob Cannabinoide bei neurologischen Erkrankungen wie Migräne relevant sein könnten.
Dabei ist eine Unterscheidung wichtig: biologische Mechanismen und vielversprechende Ergebnisse aus Laborforschung bedeuten nicht automatisch, dass CBD eine wirksame Behandlung für Migräne ist. Die klinische Forschung am Menschen zu CBD allein ist noch begrenzt.
Die Theorie: klinischer Endocannabinoid-Mangel
Eine seit Langem bestehende wissenschaftliche Hypothese, erstmals vorgeschlagen vom Forscher Ethan Russo, wird "klinischer Endocannabinoid-Mangel" genannt. Die Idee dahinter: Manche chronischen Schmerzerkrankungen, darunter Migräne, Fibromyalgie und das Reizdarmsyndrom, könnten mit niedrigeren als normalen Werten oder einer geringeren Aktivität der körpereigenen Endocannabinoide zusammenhängen.
Forscher, die das Rückenmarksflüssigkeit von Menschen mit chronischer Migräne maßen, fanden niedrigere Werte von Anandamid, einem der wichtigsten endocannabinoiden Signalmoleküle des Körpers, im Vergleich zu Menschen ohne Migräne. Anandamid hat nachgewiesene Effekte auf Hirnregionen und Rezeptoren, die an Migräne beteiligt sind, darunter ein Areal im Hirnstamm, das manchmal als "Migräne-Generator" bezeichnet wird.
Das gibt Forschern einen Grund, zu untersuchen, ob eine Unterstützung des Endocannabinoid-Systems, auch mit pflanzlichen Cannabinoiden wie CBD, bei Migräne eine Rolle spielen könnte. Es bleibt jedoch eine Hypothese mit wachsender Unterstützung, kein etabliertes Mechanismus.
CBD und Migräne: was zeigt die Forschung?
Die Forschung zu Cannabinoiden bei Migräne besteht aus Laborforschung, Beobachtungsstudien und einer begrenzten Anzahl klinischer Studien am Menschen. Wichtig zu wissen: Die stärksten klinischen Ergebnisse betreffen Kombinationen von THC und CBD, nicht CBD allein.
1. THC-CBD-Kombinationen bei akuter Migräne
Eine randomisierte, placebokontrollierte Studie, vorgestellt auf dem Jahreskongress 2024 der American Academy of Neurology, fand, dass eine vernebelte Mischung aus THC und CBD spürbare Linderung bei akuten Migräneattacken brachte, mit Effekten, die noch nach 24 und 48 Stunden vorhanden waren.
Eine weitere randomisierte Crossover-Studie fand, dass eine Kombination mit etwa 6% THC und 11% CBD besser abschnitt als Placebo bei der Schmerzlinderung und dem vollständigen Ausbleiben von Migränesymptomen.
Diese Ergebnisse sind vielversprechend, betreffen aber ein Kombinationspräparat mit THC, nicht CBD-only-Produkte, wie wir sie anbieten.
2. CBD allein: deutlich weniger direkte Forschung
CBD ohne THC verfügt über weit weniger migränespezifische Forschung. Eine bemerkenswerte Ausnahme: Eine randomisierte Studie mit topischem CBD-Gel bei Menschen mit bruxismus-bedingten Kieferschmerzen fand Verbesserungen sowohl bei der Schlafqualität als auch bei migränebedingten Beeinträchtigungswerten.
Das deutet möglicherweise auf einen indirekten Effekt über besseren Schlaf und geringere Muskelspannung hin, statt auf eine direkte Wirkung gegen die Migräne selbst. Es handelt sich um eine einzelne, kleine Studie, und solche Ergebnisse müssen in größeren Studien bestätigt werden, bevor Schlussfolgerungen daraus gezogen werden können.
3. Laufende Forschung bei Jugendlichen
Derzeit läuft in Kanada eine pädiatrische Verträglichkeitsstudie (CAN-CHA), die einen CBD-dominanten Extrakt bei chronischer Migräne im Jugendalter testet. Diese Studie untersucht vor allem Sicherheit und Dosierung, noch nicht die Wirksamkeit. Ergebnisse hieraus könnten künftig mehr Klarheit bringen, aber derzeit gibt es noch keine Resultate, auf die man sich stützen könnte.
4. Mögliche Wirkmechanismen
Laborforschung legt eine Reihe von Mechanismen nahe, die erklären könnten, warum Cannabinoide bei Migräne relevant sind, darunter entzündungshemmende Effekte und ein Einfluss auf Serotonin-Rezeptoren, die an Migräne beteiligt sind. Diese Art von mechanistischer Forschung ist nützlich, um zu verstehen, warum weitere klinische Forschung sich lohnt, beweist aber für sich genommen nicht, dass CBD bei Menschen mit Migräne wirksam ist.
Hilft CBD bei Migräne?
Auf Basis der aktuellen wissenschaftlichen Evidenz lässt sich hier keine einfache Ja-oder-Nein-Antwort geben.
Cannabinoide, besonders in Kombination mit THC, zeigen in frühen klinischen Studien durchaus Potenzial bei Migräne. CBD allein bleibt eine viel offenere Frage: Es gibt plausible Mechanismen aus der Laborforschung, aber deutlich weniger direkte klinische Evidenz am Menschen als bei den Kombinationspräparaten.
CBD sollte daher nicht als bewiesene Behandlung für Migräne angesehen werden und darf bestehende Migränemedikation oder den Rat eines Arztes nicht ersetzen.
Ist CBD sicher für Menschen mit Migräne?
CBD wird oft als nicht-berauschend beschrieben, das bedeutet aber nicht, dass es völlig frei von möglichen Nebenwirkungen oder Wechselwirkungen ist.
Mögliche Nebenwirkungen sind:
- Schläfrigkeit oder Müdigkeit
- Schwindel
- Veränderungen des Appetits
- Magen-Darm-Beschwerden
- Wechselwirkungen mit Medikamenten
Letzterer Punkt ist besonders wichtig für Menschen mit Migräne, da sie häufig vorbeugende oder akute Medikamente einnehmen. CBD kann beeinflussen, wie bestimmte Arzneimittel im Körper verarbeitet werden.
Menschen mit Migräne, die CBD in Erwägung ziehen, sollten dies zunächst mit ihrem Arzt, Neurologen oder Apotheker besprechen. Setzen Sie verschriebene Migränemedikamente nicht ab und ersetzen Sie diese nicht durch CBD ohne ärztlichen Rat.
CBD vs. THC bei Migräne
CBD und THC sind beide Cannabinoide, haben aber sehr unterschiedliche Wirkungen.
CBD ist nicht-berauschend und verursacht normalerweise kein High. THC hingegen ist psychoaktiv und kann Wahrnehmung, Koordination und kognitive Funktionen beeinflussen.
Wie oben beschrieben, stammt die stärkste klinische Evidenz für Migräne gerade aus der Forschung zu THC-CBD-Kombinationen. Forschungsergebnisse zu diesen Kombinationen dürfen daher nicht automatisch als Beleg für CBD-only-Produkte verwendet werden, und umgekehrt.
Die Zukunft der Forschung zu CBD und Migräne
Das wissenschaftliche Interesse an Cannabinoiden und Migräne wächst weiter. Forscher interessieren sich besonders für die Frage, ob CBD allein, ohne THC, bedeutsame Effekte bei Menschen mit Migräne hat.
Künftige Forschung muss unter anderem klären:
- Ob CBD allein (ohne THC) einen messbaren Effekt auf Migränehäufigkeit oder -intensität hat
- Welche Dosierungen dafür gegebenenfalls nötig wären
- Wie sich CBD zu bestehenden akuten und vorbeugenden Migränebehandlungen verhält
- Welche Patienten möglicherweise davon profitieren könnten
- Welche Wechselwirkungen mit Migränemedikamenten auftreten können
Größere randomisierte, doppelblinde und placebokontrollierte klinische Studien zu CBD-only-Produkten sind hierbei besonders wichtig.
Wissenschaftliche Forschung und Quellen
Die Forschung zu CBD und Migräne befindet sich noch in voller Entwicklung. Die folgenden wissenschaftlichen Publikationen bieten weitere Informationen zu den in diesem Artikel besprochenen Studien und Belegen.
- Sarchielli, P., Pini, L.A., Coppola, F. et al. (2007). Endocannabinoids in Chronic Migraine: CSF Findings Suggest a System Failure. Neuropsychopharmacology. Forschung zu niedrigeren Anandamid-Werten im Rückenmarksflüssigkeit von Menschen mit chronischer Migräne. Zusammengefasst in: Russo, E.B. (2016). Clinical Endocannabinoid Deficiency Reconsidered. Cannabis and Cannabinoid Research. https://ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC5576607
- Schuster, N.M. et al. (2024). Vaporized THC-CBD for acute migraine, vorgestellt auf dem Jahreskongress der American Academy of Neurology. Randomisierte, placebokontrollierte Studie zu vernebeltem THC-CBD bei akuten Migräneattacken. https://medscape.com/viewarticle/vaporized-cannabis-acute-migraine-yields-rapid-sustained-2024a10007fb
- Randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Crossover-Studie zu THC/CBD-Kombination bei akuter Migräne (NCT04360044). Berichtet über NeurologyLive. https://neurologylive.com/view/final-analyses-highlight-efficacy-thc-cbd-combination-therapy-acute-migraine
- Expanding the Therapeutic Profile of Topical Cannabidiol in Temporomandibular Disorders: Effects on Sleep Quality and Migraine Disability. Studie zu topischem CBD-Gel bei Kieferschmerzen, mit Effekten auf Schlaf und migränebedingte Beeinträchtigung. https://ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC12300357
- A Multi-Centre Tolerability Study of a Cannabidiol-enriched Cannabis Herbal Extract for Chronic Headaches in Adolescents (CAN-CHA Protocol). Laufende Verträglichkeitsstudie zu einem CBD-dominanten Extrakt bei chronischer Migräne im Jugendalter. https://ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC11414974
- Characterization of the biochemical and behavioral effects of cannabidiol: implications for migraine. Übersicht möglicher Wirkmechanismen von CBD, die bei Migräne relevant sein könnten. https://ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC10155373
Was sagt die aktuelle wissenschaftliche Evidenz?
Insgesamt zeigt die aktuelle Forschung, dass Cannabinoide, vor allem Kombinationen aus THC und CBD, im Kontext der Migräne wissenschaftlich interessant sind. Für CBD allein ist die verfügbare klinische Evidenz am Menschen noch begrenzt, auch wenn Laborforschung plausible Wirkmechanismen nahelegt.
Diese Ergebnisse zeigen nicht, dass CBD eine Behandlung für Migräne ist. Es gibt derzeit unzureichende Belege, um zu schließen, dass CBD-only-Produkte Migräneattacken verhindern oder verringern. Dafür sind größere und längere klinische Studien nötig.
Dieser Artikel dient ausschließlich Bildungs- und Informationszwecken und stellt keine medizinische Beratung dar. CBD-Produkte sind keine Arzneimittel und können keine Krankheiten feststellen, behandeln oder heilen. Konsultieren Sie immer Ihren Hausarzt oder Neurologen, bevor Sie CBD anwenden, besonders wenn Sie bereits Medikamente gegen Migräne einnehmen.
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